Über die Bretagne

Damit Sie vor, während und nach dem Urlaub in der Bretagne mit fundiertem Halbwissen glänzen können, haben wir für Sie die wichtigsten Fakten zusammengetragen.

Geschichte der Bretagne
Bretonische Unabhängigkeit
Bretonisch (Brezhoneg)
Attraktionen in der Bretagne

Geschichte der Bretagne

Die Bretagne ist eine uralte Region mit einer ungewöhnlichen und reichen Geschichte. Alles beginnt vor Jahrmillionen auf dem urzeitlichen Kontinent „Armorica“. Das zu dieser Zeit hoch aufragende „Armorikanische Massiv“, Teil von Armorica, mit seinem sehr massiven und sehr altem Gestein bildet heute den geologischen Untergrund der Bretagne. Deutlichste Überbleibsel dieser Periode vor der Entstehung Europas sind die felsigen Küstenabschnitte, die besonders an der Côtes d’Armor den Betrachter faszinieren.

Steine spielen auch Jahrmillionen später eine wichtige Rolle. Vor etwa 6.000 Jahren werden Siedler in der Bretagne sesshaft. Die ersten Viehzüchter und Ackerbauern hinterließen in der Landschaft Megalithe, riesige bearbeitete Steine und Gesteinsformationen, die später die Bezeichnung Menhire bzw. Dolmen erhielten. Welchem Zweck diese Steine dienten, ist nicht geklärt. Das Volk und die Kultur verschwanden, an ihrer Stelle erschienen vor ca. 2.500 Jahren die Kelten in der Bretagne. Die keltischen Stämme herrschten, bis die Römer in den Nordwesten des heutigen Frankreichs vordrangen. Die Kelten leisteten Widerstand mussten sich letztlich jedoch geschlagen geben. Unter den siegreichen Römern gingen die keltische Sprache und Kultur unter. Fast zeitgleich erschienen neue Siedler. Die Angehörigen der Stämme von britischen Inseln brachten das Bretonische mit in die Bretagne.

Strand in Conquet | Finstere

Strand in Conquet

Im frühen Mittelalter entstand erstmals ein zusammenhängendes bretonisches Königreich. Die unabhängige Bretagne erlebte verschiedene Phasen der Stabilität und des Zusammenhaltes, bis die Fürsten dem Druck der Nachbarn nicht länger standhielten. Anne de Bretagne war die letzte Herrscherin einer selbständigen Region, ihre Heiraten mit zwei französischen Königen leiteten den endgültigen Anschluß an Frankreich ein.

Bretonische Unabhängigkeit

Noch heute beruht auf den historischen Wurzeln ein Gefühl der Unabhängigkeit und Selbständigkeit. Sichtbarster Ausdruck ist die allgegenwärtige schwarz-weiße Flagge, die „Gwenn ha du“. Die Streifen auf der Flagge stehen für die ehemaligen Herzogtümer und Bistümer der Bretagne. Zahlreiche Vereine und Initiativen versuchen, die traditionellen Symbole der bretonischen kulturellen Identität wie die bretonische Sprache, Tänze, Musik oder Trachten, zu bewahren und zu fördern.

Bis auf eine Minderheit, wünscht sich in der Bretagne kaum jemand die Unabhängigkeit von Frankreich. Die Zeit der radikalen Auswüchse der Unabhängigkeitsbestrebungen mit Anschlägen auf Einrichtungen des französischen Staates ist lange vorbei. Quer durch die Bretagne sieht man jedoch immer noch an Autobahnbrücken und Mauern den Schriftzug „BZH“ oder Parolen für ein Referendum zur Unabhängigkeit der Bretagne. Dass es im Falle einer Volksbefragung tatsächlich eine Mehrheit für eine Abspaltung von Frankreich geben würde, darf mit gutem Recht bezweifelt werden.

Bretonisch

Noch bis ins 20. Jahrhundert gab es viele Bretonen, die ausschließlich Bretonisch sprachen. Heute spielt das Bretonische zur Verständigung im Alltag keine Rolle mehr. Jahrzehnte von strikten Maßnahmen gegen das Bretonische seitens der Behörden haben dazu geführt, dass die Sprache von der UNESCO als vom Aussterben bedroht eingestuft wurde. Schätzungen zufolge verstehen etwa 200.000 bis 300.000 Menschen in der Bretgane die keltische Sprache, darunter ist die Mehrheit älter als 60 Jahre. Die Zahl der kompetenten Sprecher dürfte weit darunter liegen. Genaue Angaben sind nicht möglich, die französische Regierung erhebt zum Gebrauch der inoffiziellen Sprachen keine Daten.




Bretonisch ist traditionell nicht in der gesamten Bretagne verbreitet. Zentrum ist die Finistére, in den östlichen Teilen Gebieten der Bretagne konnte sich „Brezhoneg“ nie durchsetzen. Vermutlich hätten die Siedler aus Südengland und Wales, die das Bretonische ab dem 8. Jahrhundert auf das europäische Festland brachten, die heutigen Sprecher nicht verstanden. Zu stark ist die aktuelle Version in Melodie und Rhythmus an das Französische angelehnt. Deutsche Ohren fühlen sich womöglich an Niederländisch oder eine skandinavische Sprache erinnert.

Attraktionen in der Bretagne

Die größte Attraktion in der Bretagne ist zweifellos die Küste. Zwischen den Sandstränden der Normandie im Nordosten und der milderen, sonnigeren Küste der Loire-Region hinter der südwestlichen Grenze der Bretagne ziehen einige besondere Abschnitte den Besucher in ihren Bann. Die Côte de Granit Rose, die steilen Klippen am Pointe du Raz oder der mediterran anmutende Golf von Morbihan sind schwer mit Küsten an anderen Meeren der Welt zu vergleichen.

Nicht weniger faszinierend sind die mehr als 800 Inseln, in denen sich die vielen Facetten der bretonischen Meerlandschaften widerspiegeln. Gezeiteninseln wie die Île Callot, die sturmumtoste Insel Ouessant oder die farbenfrohen Glénan-Inseln sind besondere Ziele, die trotz ihrer Schönheit abseits großer Touristenströme liegen.
Die Bretagne besteht nicht nur aus Meer und Küste. In den Wäldern von Brocéliande, den Monts d’Arrée oder den mittelalterlichen Städte rund um Rennes erleben Besucher eine andere, nicht weniger interessante Bretagne.

Im Gegensatz zu Regionen im übrigen Frankreich gibt es in der Bretagne vergleichsweise wenige mondäne Schlossanlagen und herrschaftliche Manoirs aus der Renaissance. Italienisch anmutende Schlösser wie das Château de Kerjean in der Finistère gehören zu den Ausnahmen. Die Epochen Gotik und Romanik prägen die Bauwerke der Bretagne. In Städten wie Dinan, Klostern wie der Abbaye de Daoulas und Kirchen wie der von Saint-Thégonnec kommen daher Mittelalter-Fans voll auf ihre Kosten.

Alle Sehenswürdigkeiten der Bretagne aufzuführen würde den Rahmen sprengen. Schon eine Auswahl zu treffen, ist eine Herausforderung. La Bretonelle hat sich der Aufgabe gestellt und die persönlichen Top 10 formuliert. Da wir uns nicht für ein Ranking entscheiden konnten (und wollten!), haben wir eine alphabetische Liste mit den schönsten Orten der Bretagne angelegt:

– Archipel Glénan
Cap Fréhel
– Huelgoat
– Île de Batz
– Île de Vierge
Ouessant
– Ploumanach
Pointe du Raz
– Quiberon
Saint-Malo

Foto: Comité Régional du Tourisme de Bretagne | © Nicolas Job