Pêche à pied – Angeln bei Ebbe

Pêche a pied

„Pêche a pied“: Ein Vergnügen für die ganze Familie

Barfuß oder mit hohen Gummistiefeln an den Füßen ziehen sie zu jeder Jahreszeit durch die Ebbelandschaft der Bretagne. An nahezu jedem Strandabschnitt sieht man sie, sobald sich das Meer zurückgezogen hat. Was machen die Menschen mit Eimern in der Hand, die sich konzentriert über Sand, Kies oder Gestein beugen?

Pêche à pied“ heißt der beliebte Zeitvertreib. Im Deutschen gibt es dafür kein eigentliches Wort, bei einer freien Übersetzung würde „Wattfischen“ diese Form des „Angelns bei Ebbe“ am ehesten beschreiben. Ziel beim „Pêche à pied“ ist es, die Meeresfrüchte zu finden, die bei Flut unter dem Wasser leben. Dazu braucht man Geduld und ein gutes Auge, schließlich haben sich die Meeresbewohner in Aussehen und Verhalten optimal an ihren Lebensraum angepasst. So ist es auch mit viel Erfahrung immer wieder ein Abenteuer loszuziehen und zu entdecken, unter welchem Stein sich eine Krabbe verbirgt oder ob die charakteristische Spur tatsächlich zu einer Strandschnecke führt.

Selbst gesammelte Meeresfrüchte zubereiten

Das Einsammeln von Muscheln, Schnecken oder Krustentieren hat immer Saison, jeden Tag spült der Ozean neue Meeresbewohner in die Nähe der Küste. Vor allem wenn der Atlantik während einer „großen Ebbe“ stärker als üblich zurückweicht, ziehen die Sammler weiter als üblich hinaus und kehren mit vollen Behältern wieder.
Es gibt Enthusiasten, die nur um des Sammelns willen über den Strand ziehen und dem Meer den Inhalt ihres Eimers zurückgeben, sobald das Wasser zurückkehrt. Viele andere jedoch bereiten ihre Ausbeute zu und verspeisen diese dann.

Mit wenig Aufwand wird aus den gesammelten Meeresfrüchten eine schmackhafte Mahlzeit. Die bretonischen Fischer schwören dabei auf eine simple Zubereitung und einfachste Zutaten. Ganz gleich, was der Strand hergibt: den traditionellen Anweisungen zufolge muss man den Inhalt des Eimers nur kochen und anschließend höchstens noch Crème fraîche, Mayonnaise oder Petersilie hinzugeben. Frischer, günstiger und einfacher geht es nicht!

Bretonische Schnecken und Muscheln mal anders

Nicht alle Genießer von Meeresfrüchten teilen die puristische Meinung der bretonischen Fischer. Einer, der neue Rezepte rund um die Schnecken und Muscheln von den Stränden der Bretagne entwickelt ist Patrick Cadour aus Lannilis in der nördlichen Finistère. Seiner Philosophie hat er den Blog „Cuisine de la mer“ und ein eigenes Kochbuch mit insgesamt 130 Rezepten gewidmet. Darin kombiniert er die Meerestiere mit Knoblauch, Kurkuma, Trüffeln oder Parmesan. In der Zubereitung beschränkt er sich nicht nur auf das Kochen, sondern schlägt vor, Schnecken und Krustentiere auch mal dem offenen Feuer auszusetzen.

Von Patrick Gadour stammt eine Klassifizierung der Meeresfrüchte am Strand. Er unterteilt in 4 Kategorien von genießbaren Meeresbewohnern. „Fantassins“ sind essbare Tierchen, die krabbeln bzw. „laufen“ können. In Gadours Klassifizierung gehören dazu Seeigel oder Strandschnecken (Bigorneau). Die Haupteigenschaft der “Embusqués” ist die Fähigkeit, sich im Sand zu verstecken. Venusmuscheln (palourdes), Herzmuscheln (coque) oder Seezungen (soles) haben sich auf die Kunst des Verbergens spezialisiert. In der Ebbelandschaft anzutreffende „Crustacés“ wie Krabben und Hummer zeichnen sich durch eine harte, schützende Schale aus. Der Lebensraum der „Cramponnés“ sind die Felsen. Miesmuscheln und Austern etwa benötigen Gestein, an das sie sich hängen.

Welche Regeln muss man beim Pêche à pied respektieren?

Oberster Grundsatz des passionierten Sammlers ist der Respekt vor den Jahreszeiten und der nachhaltigen Nutzung des Meeres. Jeder ist eingeladen, die meditative Wirkung des „Pêche à pied“ selbst zu erleben – wenn dabei bestimmte Regeln berücksichtigt werden. Von jeder Art sollte ein Sammler höchstens 3 Kilo, inkl. Schale aus dem Meer entnehmen. Jede Muschel muss dabei eine bestimmte Größe haben, damit sich Jungtiere entwickeln und fortpflanzen können. Diese Größen gelten für die jeweiligen Arten:

  • Miesmuschel (moule): mind. 4 cm
  • Wollkrabbe (Étrille): mind. 6,5 cm
  • Riesengarnele: mind. 5 cm
  • alle anderen Garnelen (crevette): mind. 3 cm
  • Kammmuschel (pétoncle): mind. 4 cm
  • Wellhornschnecke (bulot): mind. 4,5 cm
  • Herzmuschel (coquet): mind. 3 cm
  • Scheidenmuschel (couteau): mind. 10 cm
  • Venusmuschel (palourde): mind. 4 cm
  • Tellinemuschel (telline): mind. 2,5 cm sowie max. 2 kg

Unabhängig von diesen Richtwerten, sollte man sich immer informieren, ob die Behörden eventuell vom Sammeln bestimmter Arten abraten. Meeresfrüchte sind anfällig dafür, vom Menschen in das Meer eingebrachte Gifte in sich aufzunehmen. Steigt die Belastung der Meeresfrüchte über ein bestimmtes Maß, kann das für den Esser gesundheitsgefährdend sein. Ob ein Verbot ausgesprochen wurde, erfahren interessierte Sammler in den lokalen Touristeninformationen.

Fotos: Comité Régional du Tourisme de Bretagne | © Pierre Torset

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