Huelgoat: Wald der mystischen Steine

Huelgoat | Bretagne

Moosbewachsene Steine von Huelgoat

Rein wissenschaftlich betrachtet sind die riesigen Felsen im Wald von Huelgoat das Ergebnis von vulkanischer Aktivität und Jahrtausenden der Erosion. Wenn man den Wald von Huelgoat durchstreift und die Atmosphäre auf sich wirken lässt, ist aber verständlich, warum die frühen Bretonen an eine andere Entstehung glaubten.

Der Sage nach lebte einst in den Wäldern im Zentrum der Bretagne der Riese Gargantua. Von den Bewohnern des Dorfes Huelgoat forderte er Speisen, um seinen gewaltigen Hunger zu stillen. Eines Tages erregten die Bewohner seinen Zorn. Was genau die Ursache war, ist nicht überliefert, vielleicht hatten ihn die Dörfler mit ihren bretonischen Köstlichkeiten zu sehr verwöhnt und konnten die selbst gesetzten Maßstäbe ein einziges Mal nicht einhalten? Gargantua ließ seinem Unmut freien Lauf und bombardierte den Wald mit gewaltigen Steinen.

Zwischen den Steinen von Huelgoat

Huelgoat liegt am südlichen Rande des ausgedehnten Waldgebietes „Parc Naturel Régional d’Armorique“. Der nächste bekannte Ort ist Carhaix, die nächste größere Stadt Morlaix. Der Ort Huelgoat ist ein sympathisches kleines Dorf an einem stillen See. Alles in Huelgoat orientiert sich an dem berühmten Wald und seinen Mythen und Sagen. In den Namen der Restaurants und Creperien finden sich daher Bezeichnungen, die an Elfen, Feen oder Trolle erinnern.

Mühle Huelgoat

Die Mühle von Huelgoat

Das Wasser aus besagtem See fließt an einem Ende unter einer Brücke hindurch in einen Fluß. Der „Silberne Fluß“ (Riviere d’argent) hat seinen Namen von den Silberminen, in denen bis zum Ende des 19. Jahrhundert Silber abgebaut wurde. Steil fällt das Wasser an dieser Stelle in die Tiefe. Links und rechts erheben sich gewaltige, mit Moos bewachsene Granitblöcke. Über der Schlucht thront sich eine 800 Jahre alte Mühle, deren Name „Moulin de Chaos“ den ersten Eindruck des Naturschauspiels treffend wiedergibt. Trotz des Durcheinanders scheint es, als ob die Steine in einem sensiblen Gleichgewicht stehen.

Auch um den Fluß rankt sich eine Legende. Prinzessin Dahut, die Tocher des sagenhaften König Gradlon, nutzte das Gewässer, um dort nach dem Liebesspiel ihre Liebhaber versenken zu lassen.

Vis-á-vis der Mühle beginnt der Wanderweg, der zu den Sehenswürdigkeiten rund um Huelgoat führt. Zunächst ist der Weg noch breit und eben. Schon bald aber muss der Wanderer durch enge Felsspalten schlüpfen und hohe Stufen hinabsteigen. Für Kinderwägen oder Rollstühle ist der Wanderweg leider überhaupt nicht geeignet. Festes Schuhwerk empfiehlt sich auf jeden Fall, vor allem, wenn das bretonische Wetter nicht mitspielt.




Der kleine, aber wilde Bach verschwindet aus dem Blickfeld, zwischen den Steinen hört man schon bald nicht einmal mehr das Glucksen des Wassers. Nach einer engen Passage weitet sich der Blick in eine weitere Schlucht. Von dort geht es tiefer hinab in die „Teufelsgrotte„, einer dunklen Höhle, in der Bach ohrenbetäubend aus einem Felsen rauscht. Überquert der Wanderer die Gesteinsblöcke, unter denen das Wasser hindurchfließt, ist der Weg frei zu einer der beeindruckendsten Attraktionen von Huelgoat.

Hundert Tonnen Granit mit einer Hand

Der „Zitternde Stein“ (La Roche Tremblante) wiegt über 100 Tonnen, ist 7 Meter lang und 3 Meter hoch. Die Gesteinsmasse liegt so, dass sie trotz des enormen Gewichtes von einem Menschen bewegt werden kann. Stemmt man an der richtigen Stelle die Schulter in den Felsen, wackelt der Stein um ein paar Zentimeter zur Seite.

Vom zitternden Stein zurück auf dem Hauptweg stößt der Wanderer auf den „Haushalt der Jungfrau“, ein natürliches Becken im Bach.
Dann teilt sich der Pfad. Ein Weg führt weiter entlang am Flüßchen, das nach dem wilden Gesteinschaos nun in einem ruhigen Bett weiterfließt. Wer den oberen Weg, den „Sentier des Amoureux“ wählt, trifft bald auf das „Camp d’Artus„. Ob der sagenumwobene König Arthur tatsächlich an dieser Stelle lagerte, wird sich wahrscheinlich nie aufklären lassen ist nicht bekannt.

Fakt ist jedoch, dass 1938 hier die Überreste einer Siedlung aus der Zeit der Gallier entdeckt wurden. Bis ins 19. Jahrhundert hinein glaubten die Anwohner von Huelgoat, dort würden Dämonen ihr Unwesen treiben, die über einen versteckten Schatz wachen. König Arthur ist auch der Namensgeber der letzten Attraktion auf dem Wanderweg im Wald von Huelgoat. Die „Grotte d’Artus“ liegt unweit des Hügels und wird von einem großen Felsendach überwölbt. Von dort aus führt der Pfad zurück in den Ort Huelgoat.

Huelgoat bildet mit seiner einzigartigen Landschaft einen interessanten Kontrast zu den Küstenlandschaften der Bretagne. Wald und Dorf sind definitiv eine Exkursion wert!

 

 

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Foto: Comité Régional du Tourisme de Bretagne | © Anne Jolibois (Moosbewachsene Steine), © Bernard Begne (Mühle),