Berühmte Frauen der Bretagne: Marie-Angélique Duchemin und Anjela Duval

Marie-Angélique Brûlon, geb. Duchemin

Marie-Angélique Brûlon, geb. Duchemin in Uniform

Marie-Angélique Duchemin

Marie-Angélique Duchemin wird in 1772 Dinan geboren, ihren Ruhm als erste Frau in der Ehrenlegion Frankreichs erwirbt sie sich jedoch außerhalb der Bretagne. Die Soldatenfamilie zieht oft um, hauptsächlich im Süden Frankreichs. Wenige Tage vor Ausbruch der Revolution am 14. Juli 1789 heiratet Marie-Angélique auf Korsika den Korporal André Brûlon. Im Kampf gegen konterrevolutionäre Aufständische wird der junge Mann schwer verwundet und stirbt wenig später.

Die junge Mutter und Witwe, Marie-Angélique Brûlon ist gerade 19 Jahre, beschließt, beim Regiment zu bleiben. Die Soldaten schreiben es dem Schmerz über den Tod ihres Mannes zu, als Marie-Angélique plötzlich eine Uniform anlegt. Man lässt sie auch gewähren, als sie sich mithilfe ihres Bruders selbst zur Soldatin ausbildet. Aus der anfänglichen Toleranz wird Respekt und sie erhält einen Posten als Quartiermeisterin.

Mutige und hochdekorierte Soldatin

Schon bald wird sie in die Kämpfe gegen die Aufständischen verwickelt. Am 24. Mai 1794 attackieren korsische Kämpfer das Fort Gesco. Marie-Angélique Brûlon nimmt bei der Verteidigung eine führende Rolle ein. Sie kämpft in vorderster Linie und wird verwundet, als die Angreifer mit Bajonetten und Säbeln zurückgeschlagen werden müssen. Es folgen weitere Heldentaten und Verwundungen auf Korsika, bevor sie 1798 zwei Zimmer im Hôtel des Invalides in Paris bezieht. In diesem bekannten Rückzugsort für verdiente Veteranen der französischen Armee ist die einzige Frau eine Attraktion.

Jede Delegation auf Besuch macht Marie-Angélique Brûlon ihre Aufwartung. Einzig Napoleon verweigert sie einen Empfang. Sie machte den Kaiser für den Tod ihres Vaters und zwei ihrer Brüder verantwortlich, die Duchemin waren auf dem Italienfeldzug Bonapartes gefallen. Marie-Angélique Brûlon überlebt den Imperator, wird in den Offiziersrang erhoben und erhält 1851, wenige Jahre vor ihrem Tod im Jahre 1859, das Kreuz der Ehrenlegion. Diese Auszeichnung für besondere Verdienste um Frankreich wird Marie-Angélique als erster Frau überhaupt zuteil.

Anjela Duval

Die Dichterin Anjela Duval liebte das Landleben und ihre Tiere

Anjela Duval

Anjela Duval gilt als eine der wichtigsten Vertreterinnen der Lyrik in bretonischer Sprache. Als überzeugte Bretonin ist die Dichterin eine Symbolfigur für das Aufleben der Identität und Kultur der Bretagne ab der Mitte des 20. Jahrhunderts. Das Geheimnis der Anjela Duval ist ihre ungebrochene Authentizität. Zeit ihres Lebens verbrachte sie auf einem Bauernhof in der Bretagne. Auf ihrem geliebten „Traoñ an Dour“ in Vieux-Marché in der Nähe von Lannion verrichtete die zierliche Anjela Duval nach dem Tod ihrer Eltern die tägliche, harte Arbeit einer Bäuerin allein.

Gedichte über ihre Familie, die Natur oder historische Helden der Bretagne schrieb sie am Abend. Zwar genoß die 1905 geborene Duval bis ins Alter von 12 Jahren Schulunterricht, als Dichterin bildete sie sich aber weitgehend selbst. Bretonisch sprechen und schreiben konnte sie bereits früh, erst spät begann sie jedoch in bretonischer Sprache zu dichten. Ab dem Ende der 50er Jahre verfasste sie ihre Gedichte auf bretonisch und veröffentlichte bald in regionalen Zeitschriften zur Kultur der Bretagne.

Dem französischen Publikum bekannt wird sie 1971 durch einen Auftritt im Fernsehen. Mit dem Ruhm will die Dichterbäuerin aber nichts zu tun haben. Statt sich von neuen Fans verehren zu lassen, engagiert sie sich in den 1970er Jahren politisch und schreibt bis zu ihrem Tod 1981 gegen Naturzerstörung in der Bretagne und Mechanisierung der Landwirtschaft. Anjela Duvals Bücher und Gedichte wurden auf Französisch und teilweise auf Englisch übersetzt, auf Deutsch sind Werke wie „Kan an Douar“, „Stourm a ran war bep tachenn“ oder „Rouzig ar gwiñver“ leider nicht erschienen.

 

 

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Foto Anjela Duval: Kleze | Wikimedia Commons | CC BY-SA 4.0

Bild Marie-Angélique Duchemin: Public Domain | Wikimedia Commons

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