Le Mont Saint-Michel

Le Mont Saint-Michel

Eine der außergewöhnlichsten Sehenswürdigkeiten Frankreichs, ja ganz Europas – der Mont Saint-Michel. Victor Hugo nannte den Mont Saint-Michel „Pyramide des Meeres“ und sagt damit alles. Denn hier bietet sich ein doppeltes Schauspiel: ein einzigartiges Kulturdenkmal mit einer bewegten Geschichte inmitten einer ebenso faszinierenden Naturlandschaft.

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Anreise zum Mont Saint-Michel

Der Mont Saint-Michel liegt im äußersten Nordwesten der Normandie nur wenige Kilometer von der Grenze zur Bretagne entfernt. Bei der Anreise aus Deutschland mit dem Auto führt ab Caen die A84 zur Bucht mit dem Klosterberg. Wer aus dem Bretagne Urlaub einen Abstecher machen möchte, kommt via Saint-Malo über die N 12 bzw. N 176. Ganz gleich, aus welcher Richtung die Anreise mit dem Auto erfolgt – Leitsysteme führen Besucher unter anderem zum großen offiziellen Parkplatz mit etwa 4.000 Stellplätzen. Zusätzlich zu dieser Parkmöglichkeit neben dem Besucherzentrum gibt es eine Reihe von kleineren Parkplätzen. 

24 Stunden auf einem Parkplatz nahe dem Mont Saint-Michel kosten für reguläre PKW 9,10 EUR bzw. 14,20 EUR in der Hochsaison. Camper zahlen 12,10 EUR bzw. 17,80 EUR.

Vom großen Parkplatz aus sind es zu Fuß ca. 35 Minuten bis zum Mont Saint-Michel. Alternativ lassen sich die eng getakteten Shuttle-Busse nutzen, die von jedem der Parkplätze aus fahren. Oder die Pferdekutschen, die ebenfalls vom „Parking“ aus starten und die Fahrt in etwa 20 Minuten absolvieren.

Per Zug lässt es sich ebenfalls anreisen, der nächstgelegene Regionalbahnhof ist in Pontorson. Von hier aus bestehen Busverbindungen zum großen Parkplatz. Der Parkplatz ist außerdem Ziel von Bussen, die an den Bahnhöfen von Rennes oder Dol de Bretagne starten. Und auch aus Saint-Malo fährt einmal pro Tag ein Bus in etwa 75 Minuten zum Mont Saint-Michel.

Eine letzte Option sei hier erwähnt: die Anreise mit dem Fahrrad. Die Sehenswürdigkeit liegt direkt am Radwanderweg EuroVelo E4, der in der Ukraine startet und auf seinem letzten Abschnitt die französische Ärmelkanalküste abfährt.

Mont Saint-Michel Tickets / Eintritt

Der Besuch der Insel ist gratis, nicht jedoch der Eintritt in die Hauptattraktion, die Abtei Mont Saint-Michel. Die meisten Besuchergruppen müssen ein Ticket kaufen. Ein regulärer Eintritt kostet einen Erwachsenen 10 EUR, junge Menschen bis 25 Jahre zahlen 8 EUR. Jugendliche bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres besuchen das Weltkulturerbe kostenlos. Für weitere 3 EUR lässt sich ein Audioguide leihen – durchaus lohnenswert.

Es empfiehlt sich, die Tickets vorab online zu bestellen, das erspart langwieriges Anstehen. Die erworbenen E-Tickets ausdrucken oder auf dem Smartphone zeigen, ab 9:30 Uhr stehen die Tore des Klosterberges für Besucher offen. Letzter Einlass ist 17:30 Uhr. 

Diese Tickets berechtigen zum Aufenthalt in der Abbaye. Für Museen werden Extra-Gebühren fällig.

Rundgang

Besucher betreten die Insel durch das Tor „Porte de l’Avancée“ im Süden. An 2 große Bombarden, die die Bewohner während des Hundertjährigen Krieges von den Engländern erobert haben, geht es vorbei zur Porte du Roy. Entweder betritt man durch dieses Tor die Stadt und ist auf der Grand Rue, der Hauptstraße des Städtchens. Oder der Weg führt über ein paar Stufen zum Tour du Roy und auf die begehbare Befestigungsmauer, die große Teile des Ortes umschließt.

In Richtung Norden geht es – vorbei an 5 weiteren Türmen – bis zum Tour du Nord unmittelbar neben dem Eingang zur Abtei. In Richtung Westen führt der Weg zum Tour Gabriel, einem sehenswerten, im Trubel der Touristenströme vergleichsweise ruhigen Wehrturm. Von den „remparts“ aus weitet sich der Blick über die Baie du Mont Saint-Michel. Besonders spektakulär wird das Panorama, wenn bei Flut das Wasser zurück in die Bucht spült. 

Einzige Alternative zum Gang über die Befestigungsanlagen ist es, die Grand Rue zu nehmen. Die Grand Rue ist gesäumt von mittelalterlichen Häusern. Wie in den wenigen kleinen Gässchen, die von der Hauptstraße abgehen, bestimmen auch in der Grand Rue Restaurants und Souvenirläden das Bild. Diese gewundene, ansteigende, mal breitere, mal engere Gasse führt zur Abtei des Mont Saint-Michel. 

Gefilmte Touren sind auf YouTube zu sehen, die Rundgänge mit der Kamera geben einen realistischen Eindruck vom Mont Saint-Michel:

Kurze Tour (8 Min.):

https://www.youtube.com/watch?v=OjWKd8sc65g

Die Abtei des Mont Saint-Michel

Was die „Abbaye du Mont Saint-Michel“ so besonders macht, sind die vielen architektonischen Stile, die in den Schichten der Anlage zu beobachten sind. Romanische, gotische und klassizistische Elemente existieren in den vielen Kapellen, Krypten und Gängen der Abtei nebeneinander.

Die Abtei ist in 3 Ebenen unterteilt. Im untersten, am frühesten entstandenen Abschnitt aus dem frühen 11. Jahrhundert befinden sich ein Vorratskeller, die Aquilon-Krypta sowie ein Saal, der Pilgern vorbehalten war.

Zwischen der unteren und der mittleren Ebene liegt die Kapelle Notre-Dame-sous-Terre, wichtigster religiöser Ort, bevor die heutige Abteikirche auf der obersten Ebene entstand. Auf der mittleren Ebene befinden sich unter anderem der sogenannte Rittersaal, der Wandelgang der Mönche, die Kapelle der 30 Kerzen und die „Krypta der Dicken Pfeiler“.  

Krönender Abschluss der Abtei ist die oberste Ebene mit dem früheren Schlaf- und Essenssaal der Mönche vom Mont Saint-Michel, dem Kreuzgang sowie der beeindruckenden Abteikirche. Von wenigen Ausnahmen abgesehen stehen die Räumlichkeiten der Abtei Besuchern offen. Mindestens 2 Stunden sollten eingeplant werden, um die verschachtelten Gebäude und Räume in aller Ruhe zu entdecken – am besten frühmorgens, sobald die Tore öffnen.

Museen

Le Mont Saint-Michel

Auf dem Areal des Mont Saint-Michel stehen den Besuchern 4 privat geführte Museen offen – gegen ein zusätzliches Entgelt. Das Archéoscope, die Logis Tiphaine, das Musée Historique und das Musée Maritime können den Aufenthalt ergänzen, unbedingt notwendig sind sie nicht. 

Das Archéoscope gegenüber der Kirche des Mont Saint-Michel wirbt mit der Ankündigung, mit einer Multimedia-Show durch die bewegte Vergangenheit des Inselberges zu führen. Tatsächlich entsprechen die dargebotenen Lichteffekte und Videos nicht immer Ansprüchen der 2020er Jahre.

Die Logis Tiphaine war das historische Wohnhaus des Ritters Bertrand du Guesclin und seiner Frau Tiphaine de Raguenel. Er war ein Anführer der französischen Armeen im Hundertjährigen Krieg, sie eine berühmte Astrologin des 14. Jahrhunderts. Zu sehen sind in insgesamt 6 Zimmern Möbel der Epoche, bedeutsame symbolische Gegenstände wie ein Keuschheitsgürtel aus dem Mittelalter oder die Rüstung des Bertrand du Guesclin.

Im Musée Historique erwarten Besucher Ausstellungsstücke und Nachbildungen, die die Geschichte des Inselberges illustrieren. Wachsfiguren von Mönchen und Gefangenen gehören ebenso dazu wie Waffen und Folterinstrumente aus früheren Zeiten. 

Das Musée Maritime liegt am unteren Ende der Grand Rue und richtet sich an Fans von Schiffsmodellen. 250 verschiedene „maquette“ von historischen Schiffen und Booten sind hier zu sehen. 

Am interessantesten ist es, die Gebäude, in denen die Exponate untergebracht sind, von innen zu sehen, auch wenn einige der Räumlichkeiten in renovierungsbedürftigem Zustand sind. Als echte Museen bleiben die Ausstellungen an vielen Stellen einiges schuldig. So wünscht man sich als interessierter Besucher oft weitere, vor allem mehrsprachige Erklärungen zur Einordnung des Gezeigten. Auch zeitgemäße Möglichkeiten, den historischen Stoff erlebbar zu machen – etwa durch zeitgemäße multimediale Angebote oder interaktive Formate – fehlen meist.

Tickets für die Museen gibt es vor Ort, für Einzeltickets werden 9 EUR für einen Erwachsenen fällig, Jugendliche unter 18 besuchen die Museen gratis. Der Kauf eines Kombi-Tickets für 18 EUR berechtigt Erwachsene alle 4 Ausstellungen zu besuchen.

Geschichte des Mont Saint-Michel

Seit das Christentum im 4. Jahrhundert in die Region vordrang, lebten auf dem Mont Tombe vor der Küste der heutigen Normandie gottesfürchtige Männer. Die kleine, von Bäumen spärlich bewachsene Insel gehörte zur Diözese Avranches, als deren Bischof Saint Aubert der Legende zufolge im Jahr 708 den Erzengel Michael im Traum sah. Der Engel befahl ihm die Errichtung einer Kapelle, Saint Aubert entschied sich für den Mont Tombe.

Auf Weisung des Heiligen Michael sollte der Bau dem seinerzeit bedeutendsten, ihm gewidmeten Kloster nachempfunden sein, dem Monte Gargano in Italien. Der Bischof schickte zwei Mönche nach Apulien, um Reliquien zu erbitten. Nach deren Rückkehr erhielt der Mont Saint-Michel seinen Namen und die Bauten begannen. 

Es entstand ein einfaches Gotteshaus, die Überreste sind noch heute in der später entstandenen Kirche Notre-Dame-Sous-Terre zu besichtigen. In den Jahrhunderten nach Gründervater Saint-Aubert entwickelte sich der Mont Saint-Michel mehr und mehr zum Anziehungspunkt für Pilger.

Weitere Gebäude entstanden, um dem Zustrom bewältigen. Unter der Angriffen der Wikinger im 9. und 10. Jahrhundert nahmen die Bauten der Insel zunächst Schaden (ganz erobert wurde sie nie), um anschließend dank großzügiger Zuwendungen der normannischen Herrscher erneut aufgebaut zu werden.

Pracht und Wohlstand zogen in der Folge weltliche Besucher an und beeinträchtigte das religiöse Leben in der Abgeschiedenheit. Seit der Mitte des 10. Jahrhundert setzten die Normannenfürsten Mönche des Benediktiner-Ordens auf dem Mont Saint-Michel ein.

Die Benediktiner gründeten die Abtei – noch heute ist das mächtige Bauwerk Wahrzeichen und Zentrum der Insel. Eine Phase des Wachstums setzte ein, die ihren Höhepunkt in den Jahren ab 1100 fand: das Kloster wurde, dank der sprudelnden Spenden von Pilgern und Adligen, immer weiter ausgebaut, zudem entstanden zahlreiche weitere Bauten am Fuße der Abtei. 

Die Bauzeit eines besonderen Prunkstückes datiert aus den Jahren 1211 bis 1228. Als „La Merveille“ („Das Wunder“) werden die Teile der Abtei auf der Nordseite bezeichnet, die dem gotischen Stil zuzurechnen sind. Rittersaal, Gastraum, Kreuzgang und Refektorium entstanden mit zuvor nicht gekannten Verzierungen.

Nach außen stärkten die mächtigen Mauern die Wehrhaftigkeit der Anlage und verschafften dem Mont Saint-Michel einen strategischen Vorteil, der sich auch im Hundertjährigen Krieg zwischen Frankreich und England auszahlen sollte. Im Verlaufe des Krieges wurden die Außenmauern weiter verstärkt, sodass es den Briten während der Auseinandersetzungen im 15. Jahrhundert nicht gelang, die Insel vollständig zu erobern. Auch in den Hugenottenkriegen in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts hielt die Festung stand.

Bereits während des „Ancien Régime“ vor der Französischen Revolution dienten Teile des Mont Saint-Michel als Kerker. Nach 1790 wurde die Insel vollends zur „Bastille des Meeres“: die Benediktiner wurden vertrieben, die mächtigen Mauern fassten von nun an bis zu 700 Gefangene. Die Substanz der Gebäude litt unter dieser Nutzung, der gesamte Mont Saint-Michel verfiel schrittweise.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts erwachte das Bewußtsein für die Bedeutung des Ensembles als kulturelles Erbe. Eine Kampagne, unter anderem angeführt von Victor Hugo, erreichte, dass die Gefangenen die Insel verließen. Die jahrzehntelange Restaurierung der Gebäude begann. Unterdessen stiegen die Besucherzahlen: kamen 1860 nur 10.000 Touristen, waren es 1890 bereits 100.000 Gäste. In den 1890er Jahren erhielt der Mont Saint-Michel ein neues Wahrzeichen: die goldfarbene Figur des Erzengels Michael, die das Dach der Abtei krönt, wurde 1898 installiert .

Und auch das religiöse Leben kehrte zurück. Seit 1922 fanden Gottesdienste in der Abtei statt, 1966, nach der Feier zum tausendjährigen Bestehen, lebten erstmals seit dem 18. Jahrhundert wie Benediktiner-Mönche im Kloster, wenn auch nur für einige Jahre.

Einen vorläufig letzten Höhepunkt in der bewegten Geschichte erlebte der Mont Saint-Michel, als die Insel 1979 zum Welterbe der UNESCO erklärt wurde – als eines der ersten schützenswerten Denkmäler weltweit.

Naturereignis Bucht Saint-Michel

Die „Baie du Mont Saint-Michel“ ist ein Naturphänomen der besonderen Art: bei Ebbe fließt das Wasser von ca. drei Viertel der 40.000 Hektar großen Fläche ab. Im Wechsel der Gezeiten zieht sich das Meer bis zu 17 Kilometer zurück. Flutet das Wasser zurück, legt es bis zu 62,5 Meter pro Minute zurück. Die Flut kommt schnell, aber auch nicht so rasant wie es der vielzitierte Vergleich nahelegt, nach dem das Wasser mit der „Geschwindigkeit eines galoppierenden Pferdes“ in die Bucht dränge.

Grund für dieses Phänomen ist die Tatsache, dass die Bucht, die im Westen von der bretonischen Landspitze nahe Cancale begrenzt wird, äußerst flach ist. Zudem wirkt die Halbinsel Cotentin im Osten der Baie wie eine Barriere vor den Wassermassen der „Manche Centrale“, des mittleren Teils des Ärmelkanals. 

Drei Flüsse, Couesnon, Sée und Sélune, münden in die Bucht, was zum einzigartigen Ökosystem beiträgt. Am und im Wasser leben eine Vielzahl von Vogelarten (man geht von etwa 120.000 Vögeln insgesamt aus), ca. 100 Fischarten und Hundsrobben.

Der Versuch, den Tieren bei einer Wattwanderung auf eigene Faust nahezukommen ist extrem riskant. Zum einen wegen der schnell steigenden Flut. Zum anderen wegen der Stellen mit Treibsand, die sich nahezu mit jedem neuen Gezeitenzyklus verändern. Sicherer ist es, die Natur von einem der Wanderwege an den Poldern aus zu entdecken. Hier zu Wandern hat noch einen weiteren Vorteil: vom Rand des Meeres aus entfaltet der Mont Saint-Michel am besten seine ganze Herrlichkeit.

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Bucht: Bruno Malfondet | CC BY-ND 2.0