Unterwegs auf der Île Molene

Unter den sieben Inseln des Ouessant-Archipel in der Iroise-See vor der Küste der Finistère ist die Île Molène neben Ouessant das zweite der bewohnten Eilande. Die Zahl der Menschen, die auf der Île Molène leben, ist mittlerweile überschaubar: etwa 151 Einwohner sind auf der Insel gemeldet. Diese Zahl gilt nur für den Sommer; wenn es im Herbst und Winter unwirtlich stürmt und regnet, hält es nur Hartgesottene auf der Île Molène.

Trotz oder gerade wegen ihrer Rauheit ist die Insel ein lohnendes Ausflugsziel. Vom Festland aus steuern täglich Passagierschiffe die kleine Insel an. Fähren auf die Île Molène legen von den Häfen in Brest, Camaret-sur-Mer (nur in der Hauptsaison) oder Le Conquet aus ab. Mehr Infos zur Überfahrt auf die Insel gibt es hier: https://pennarbed.fr/iles-bretonnes/ile-molene/les-traversees/

Île Molène entdecken

An einem Tag ist Molène bequem erwandert. Etwas mehr als 1 Kilometer Ausdehnung zählt die Insel von Nord nach Süd, etwas weniger als 1 Kilometer von Ost nach West. Die Wege sind auf der autofreien, baumlosen und flachen Insel übersichtlich, sich innerhalb der gut einstündigen Tour zu Verlaufen faktisch unmöglich. Zu Entdecken gibt es von den Stränden aus vor allem die Tierwelt auf den angrenzenden Inselchen des Archipels Molène: neben Kegelrobben haben Basstölpel, Kormorane, Silbermöwen und viele andere Vögel in dem geschützten Naturraum der Inselgruppe ihre Heimat.

Während sich die Tiere am besten mit dem Fernglas beobachten lassen, sind zum Betrachten der übrigen Sehenswürdigkeiten keine Hilfsmittel notwendig. Die Statue Joseph ist ein markanter Wegpunkt in der Mitte der Insel. Die Dolmen von Beg ar Loued am südlichen Zipfel beweisen, dass die Insel schon vor langer Zeit bewohnt war. Das (kostenpflichtige) Musée du Drummond Castle rekonstruiert mit dem Schiffbruches eines Paketbootes in der stürmischen See im Jahr 1896 ein traumatisches Ereignis für die Bewohner des Archipels. Die Sonnenuhr „Cadran solaire“ im Norden der Insel ist besonders, weil bis ins 20. Jahrhundert die Mehrzahl der Einwohner an dieser Zeitmessung orientiert haben  

Hungrig von der Tour bietet sich die Auswahl zwischen den Restaurants „Au Vent des Iles“ und „Chez Rachel“ und der Bar „L’Archipel“. Wer mehr als einen Tag auf dieser abgeschiedenen Rückzugsort einplanen möchte, kann sein Zelt auf dem örtlichen Campingplatz aufschlagen. Oder einer der wenigen Pensionen und Ferienwohnungen der Insel nächtigen.

Die Andouille Molène

Algen sind die Grundlage für die bekannteste kulinarische Spezialität der Insel, der Andouille Molène. Ihr besonderes Aroma erhält die Wurst durch das Räuchern über qualmenden Algen. Die Art der Herstellung blieb über die Jahre unverändert, nur das Rezept der „Saucisse de Molène“ hat sich im Laufe der Zeit modernisiert. Heute ist die Wurst zwar weniger fettig und salzig, hat aber dennoch einen rustikalen Geschmack bewahrt. 

Der Rauch der getrockneten Meerespflanzen verleiht der Wurst eine besondere, jodhaltige Note. Die Saucisse de Molène passt gut in einer Galette und bietet eine leckere Alternative zur Andouille du Guéméné. Als echte Delikatesse wird die Saucisse heute sogar von Sterneköchen wiederentdeckt.

Fotos: Comité Régional du Tourisme de Bretagne | © Yanick Le Gal, © Emmanuel Berthier