Île de Sein: Tagesausflug auf eine außergewöhnliche Insel

An klaren Tage lassen sich von der Pointe du Raz aus am Horizont gerade noch ein schmaler Streifen Land, die Silhouette einer Kirche und ein Leuchtturm erkennen: die Île de Sein.

Die Insel ist ausgesprochen klein. Im Hauptort, der nicht mal einen eigenen Namen trägt, sondern einfach nur „Bourg“ genannt wird, stehen manche Häuser in weniger als einem Meter Abstand zueinander. Bei einer kompletten Umrundung zeigt der Kilometerzähler ca. 4,6 km an. Äußerst beliebt ist die Île de Sein daher für einen Tagesausflug. 

Es ist die direkte Begegnung mit den Elementen Wind und Wasser, die einen Besuch der Insel so reizvoll macht. Auch auf Ouessant und Molène ist der Kontakt mit den Naturgewalten unmittelbar, die Île de Sein ist jedoch die kompromissloseste der nordwestlichen bretonischen Inseln. Ein Ereignis an sich ist schon die Überfahrt mit der Fähre.

Überfahrt auf die Île de Sein

Fähren auf die Île de Sein legen von Audierne, Camaret-sur-Mer und Brest aus ab. Von Brest aus sind gute 2 Stunden einzuplanen, am schnellsten und reizvollsten ist die Fähre zur Île de Sein von Audierne aus. Vom Hafen an der Südseite des Cap Sizun führt die Route an der Steilküste der Halbinsel und an der Pointe du Raz vorbei – spektakuläre Aussichten auf die Klippen inklusive.

Mit ein wenig Glück ist auch die Einfahrt in den Hafen der Île de Sein ein Ereignis. Steht die Flut hoch und ist das Wetter sonnig, färbt sich das Wasser um die Insel türkis. Spätestens wenn sich die Delfine zeigen, die in den Gewässern rund um das Eiland leben, fühlt sich der Urlaub nach mehr als Bretagne an.

Wer solche Bedingungen erlebt, darf sich wahrhaft glücklich schätzen. Überwiegend ist das Wetter auf der Île de Sein unbeständig, also von Niederschlägen und Wind geprägt. Während der Überfahrt kann es daher bei Wellengang auch mal etwas unruhiger werden. 

Preislich schlägt eine Überfahrt mit 30 EUR für Erwachsene zu Buche (Hin- und Zurück), Kinder zwischen 4 und 16 Jahren zahlen 20 EUR, für Hunde werden 7 EUR fällig. Autos und Fahrräder sind auf der Insel nicht gestattet.

Ein Tag auf der Île de Sein

Eine Umrundung der Île de Sein dauert etwa bequeme 90 Minuten. Sobald Sie nach der Überfahrt wieder festen Boden unter den Füßen haben, lenken Sie die Schritte nach rechts. Von da an gilt eigentlich nur eine einfache Maxime: Das Meer sollte immer rechts liegen. Wie von selbst führt der Weg zunächst in nördlicher Richtung an allen Sehenswürdigkeiten der Insel vorbei. 

Die Attraktionen sind Wegpunkte und erzählen gleichzeitig die Geschichte der Île de Sein. Die Menhire Le Causeurs zeugen von der Besiedlung des Eilandes seit der Steinzeit. Später lebten bis zu 1.300 Menschen auf der Insel (Zählung von 1936), bei der letzten Erhebung von 2004 wurden noch 230 Insulaner registriert. Symbol der Blütezeit sind die eher nüchternen Kirchen Église St. Guénolé im Zentrum und Chapelle St. Corentin an der Nordspitze. 

Das Monument aux Français libres berichtet von einem besonderen Moment in der Geschichte der seit jeher stolzen Inselbewohner. 1940 schloss sich die Mehrheit der „Sénans“ – so nennen sich die Insulaner – der Résistance gegen die Wehrmacht an. An die mutige kollektive Erhebung erinnert heute das Denkmal.

Die enge Verbundenheit zum wilden Meer mit seinen Gefahren für die Schifffahrt wird durch die beiden Leuchttürme „Phare de Men Brial“ und „Grand phare de l’Île de Sein“ verdeutlicht. Über die Jahrhunderte ertranken ungezählte Seeleute bei Unglücken vor der Küste, bis die Leuchttürme Orientierung geben und viele Katastrophen verhindern konnten.

Der Wind ist steter Begleiter bei einer Wanderung über die Insel: Bäume oder Büsche bieten keinen Schutz, gelegentlich steht eine dünne Hecke am Wegesrand. Die niedrigen Mauern aus Granitsteinen sind Relikte einst betriebener Landwirtschaft: früher bauten die Bäuerinnen auf den Feldern Gerste und Kartoffeln an, die Mäuerchen schützten vor dem Atlantikwind und vor mancher Überschwemmung. Heute ist das flache, karge Heideland mit Brombeeren und Gestrüpp überwuchert.

Wandern an frischer Luft macht Hunger. Legen Sie Wert auf ein Restaurant, sollten Sie rechtzeitig reservieren. Die Anzahl der Tische und Stühle in den Lokalen der Insel ist begrenzt. Alternativ: Picknick mitbringen und sich ein Plätzchen im Freien suchen. Wer länger bleiben möchte, kann eine Übernachtung auf der Île de Sein buchen. Einige Pensionen und „Gîtes“ rund um den Hafen bieten Zimmer an. 

Fotos: Comité Régional du Tourisme de Bretagne | © Yanick Le Gal, © Emmanuel Berthier, © Donatienne Guillaudeau, © Yannick Derennes, © Ronan Gladu, © Jacqueline Piriou, © Simon Bourcier, © Pierre Torset, © Alexandre Lamoureux, © Nicolas Job, © Xavier Dubois, © Thibault Poriel, ©  L’œil de Paco,  © Bruno Torrubia, © Loic Kersuzan