Ein Besuch in Saint-Malo

Saint-Malo

Saint-Malo: Häuser direkt hinter der Kaimauer

Saint-Malo gehört nicht nur zu den berühmtesten und bei Touristen beliebtesten Städten der Bretagne. In den Rankings der beliebtesten Ziele im an Destinationen nicht gerade armen Frankreichs landet die Stadt an der Nordküste regelmäßig weit vorn.

Die Vielzahl an reisenden Franzosen und ausländischen Besuchern sollte den interessierten Bretagne-Reisenden aber nicht abschrecken. Ein Besuch in dieser außergewöhnlichen Stadt lohnt sich in jedem Fall. Seinen Reiz bezieht Saint-Malo aus der besonderen Architektur der Stadtanlage einerseits und aus seiner Geschichte als stolzer Hafenmetropole andererseits.

Stadt der Händler und Seefahrer

Am Ende des 3. Jahrhunderts errichteten die Römer an der Stelle der heutigen Stadt erstmals befestigte Anlagen. In den folgenden Jahrhunderten war Saint-Malo wegen seiner strategischen Lage stets ein Zankapfel zwischen Frankreich und den Fürsten der Bretagne. Das führte dazu, dass die „Maloin“, die Einwohner von Saint-Malo, ein starkes eigenes Bewußtsein entwickelten.

Gipfel dieses Unabhängigkeitsgefühls war die Ausrufung der „Republik Saint-Malo“ im Jahre 1590 durch wohlhabende Kaufleute. Mit der Gründung der Stadtrepublik nahmen sich die Bürger ein Beispiel an Venedig oder Genua, wo ebenfalls reiche Händler die Geschicke lenkten. Auch wenn die Zeit der Republik nur 4 Jahre währte, ist die Stadt auf diese Epoche genauso stolz wie auf die vielen Seefahrer, deren Heimathafen Saint-Malo war.

Der Freibeuter Robert Surcouf gehört zu ihnen, der im Auftrag Napoleons Schiffe der Engländer kaperte. Jacques Cartier stach von hier aus in See und erkundete im 16. Jahrhundert als einer der ersten Europäer die Ostküste Kanadas. Auch Bertrand François Mahé de la Bourdonnais war ein gebürtiger „Maloin“, der Admiral schlug für Frankreich im frühen 18. Jahrhundert viele Seeschlachten im Indischen Ozean.

Im 2. Weltkrieg erlitt die Stadt einen schweren Schicksalsschlag. Im August 1944 bombardieren amerikanische Flieger die Altstadt in der falschen Annahme, dass sich dort die Wehrmacht verschanzt. Ca. 80% von Saint-Malo liegen nach dem Bombenangriff in Schutt und Asche. Nach dem Krieg bauen die Einwohner die Stadt jedoch wieder auf.




Ein Spaziergang in Saint-Malo

Heute zeigt sich das historische Saint-Malo wieder von seiner schönsten Seite. Ein ca. einstündiger Spaziergang auf den beeindruckenden Mauern, die die Altstadt umschließen, gewährt auf der einen Seite einen Blick in den Bereich „Intra Muros“. Blickt man auf der anderen Seite in die Weite, erahnt man im Westen den Küstenort Dinard. Im Osten und Süden liegen der neue Hafen und die neue Stadt („Extra Muros“). Der spektakulärste Blick ist der in Richtung Norden. Hier zeigt sich das weite Meer, die Forts auf den Inseln nahe und fernab der Küste und die schönen Strände von Saint-Malo.

Besucher des Strandes sollten im Hinterkopf behalten, dass hier, in der Bucht unweit des Mont Saint-Michel, die Gezeiten besonders stark wirken. Was eben noch wie ein beschauliches Plätzchen inmitten einer Ebbelandschaft aussieht, kann innerhalb von Minuten vom Festland abgeschnitten sein. An manchen Stellen kehrt das Meer mit der Fließgeschwindigkeit eines Flusses zurück. Zur Beruhigung: Einige besonders gefährliche Stellen werden von freiwilligen Helfern überwacht, sobald die Flut zurückkehrt. Ein Blick auf einen Gezeitenkalender lohnt sich beim Urlaub in der Bretagne dennoch immer und in Saint-Malo ganz besonders.

Saint-Malo

Wellen branden an die Mauern von Saint-Malo

Mehr Sehenswürdigkeiten

Weitere Highlights außerhalb der alten Stadt sind die Festungsanlagen. Bei Ebbe ist das (kostenpflichtige) „Fort du Petit Bé“ zu Fuß erreichbar. Lage und Ausblick von der Festung sind ebenso bemerkenswert wie beim Fort National. Im „Fort du Grand Bé“ befindet sich das Grab einer weiteren Berühmtheit aus Saint-Malo – hier ruht der der Schriftsteller Chateaubriand. Auch er ein Sohn der großen Zeit der Stadt, der Zeit der Seefahrer.

Ein Ereignis der Stadt erinnert noch heute an diese glorreiche Epoche. Saint-Malo ist der Startpunkt der „Route du Rhum“. Die „Rum-Route“ führt von der Küste der Bretagne über den Atlantik bis nach Pointe-à-Pitre auf Guadeloupe. Über 6.000 Kilometer legen die Segelboote auf dem Ozeans zurück ehe sie auf der Karibikinsel ankommen. Die Regatta gilt als eine der prestigeträchtigsten Herausforderungen für Segelsportler in Frankreich.

 

 

Lust auf mehr Bretagne? Weitere interessante Orte an der Küste von Côtes-d’Armor, der Finistère und Ille-et-Vilaine:

Concarneau
Dinard
Paimpol
Roscoff
Saint-Pol de Léon

 

 

Fotos: Comité Régional du Tourisme de Bretagne | © Jacqueline Piriou, © Yanick Le Gal